DruckversionGrüner Tee - mehr als ein Getränk

Als die resolute Liselotte von der Pfalz (1652-1722) ihrem Schwager Ludwig XIV. schrieb: "Tee kombt mir vor wie Heu und Mist, mon Dieu", wusste sie sicher nicht, dass das verpönte Gebräu grünlicher Farbe dreihundert Jahre später zu dem europäischen Kultgetränk schlechthin avancieren sollte. Mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen passt Grüntee hervorragend zum gestiegenen Gesundheitsbewusstsein unserer Tage. Daneben eröffnet der grüne Klassiker für Genießer ein spannendes und fast unergründliches Entdeckungsfeld.

Kleine Geschichte vom Grüntee

Ursprünglich war der grüne Tee ein Getränk, das vornehmlich in Südchina getrunken wurde. Als aber Anfang des 6. Jahrhunderts der indische Königssohn Bodhidharma dort begann, den Buddhismus einzuführen, kam dieser bald auf den Geschmack und der Tee bis nach Peking und schließlich auch nach Japan. Dort gießt man während verschiedener Zeremonien noch heute grünen Tee über den Kopf einer kleinen Statue, die den Dharma darstellt, weil es - der Legende nach - bei seiner Geburt Tee geregnet haben soll. Schnell wurde das Getränk ein wichtiges Relikt sakraler Handlungen und ist bis heute untrennbar mit dem japanischen Buddhismus verbunden. Natürlich muss man sich beim Konsum grünen Tees nicht wie ein buddhistischer Mönch verhalten. Aber es sollte einem bewusst sein, dass hinter dem In-Getränk unserer Tage eine ganze Menge asiatischer Geisteshaltung und Brauchtum verborgen sind.

Der erste Europäer, der sich ernsthaft mit dem Tee beschäftigte, war Mitte des 16. Jahrhunderts der portugiesische Jesuitenpater Jasper de Cruz. Einige Jahrzehnte später gelangte der erste chinesische Tee nach Europa und wurde allmählich salonfähig, das heißt, er avancierte zum Modegetränk der Oberschicht. Hofrat von Goethe, Madame de Pompadour und Zarin Katharina die Große gossen sich und ihren erlauchten Gästen das grüne "China-Getränk" in die Tassen. Und obwohl ihn Mitte des 17. Jahrhunderts auch die Engländer für sich entdeckten, geriet der grüne Tee mit der Zeit in Vergessenheit. Der Schwarztee wurde immer beliebter und lief seinem Kompagnon den Rang ab. Erst seit einigen Jahren genießt der grüne Tee erneut Ansehen, ja die Zahl der Grünteefans steigt von Tag zu Tag.
Grüner Tee stammt in erster Linie aus China, Japan und Taiwan, geringe Mengen kommen aus Indien und Sri Lanka. China nimmt im Bereich Grüntee eine Sonderstellung ein. Hier wurde er "entdeckt", hier gibt es die meisten Teeanbaugebiete, die meisten Sorten und hier werden 75 Prozent der Weltproduktion in Sachen Grüntee erzeugt.

Von Drachenbrunnen bis Gunpowder

Für Grünteefans ist der große Teegarten "China" geradezu ein Paradies. Das Angebot reicht von rauchig-verwegenen bis zu blumig-fruchtigen Sorten. Einige berühmte chinesische Grüntees wie der edle Lung Ching - was so viel wie "Drachenbrunnen" bedeutet - sind schon seit mehreren hundert Jahren bekannt, manche sind schon wieder in Vergessenheit geraten. Viele Tees erinnern mit ihren Namen an berühmte Sagengestalten, an Gottheiten, Flüsse, Berge oder Blumen. Zu den weltbekannten Grünteeklassikern zählen außer dem bereits erwähnten Lung Ching auch Chun Mee, Gunpowder und Pi Lo Chun. Neben einzelnen Sorten und Experimenten mit den verschiedensten Aromen - am bekanntesten ist Jasmintee - wurden aber auch ganze Teefamilien wie halbfermentierte Oolongs oder weiße Tees - wegen seiner silbrig-weißen, leicht behaarten Blätter so benannt - entwickelt. Beide gehören zu den kostbarsten und teuersten Tees der Welt.

In 17 chinesischen Provinzen wird Tee angebaut. Sie liegen vorwiegend im Süden und erstrecken sich von Hainan bis Shandong. Die gesamte Teeanbaufläche beträgt 1,2 Millionen Hektar, der Großteil davon liegt in Hochlagen. In den meisten Teegebieten erstreckt sich die Ernte von April bis Oktober. Eine Ausnahme bildet die Insel Hainan. Hier kann aufgrund des warmen Klimas das ganze Jahr über geerntet werden. Heute erzeugt China rund 500.000 Tonnen Grüntee pro Jahr, der in mehr als 80 Länder der Erde exportiert wird. Im Gegensatz zum japanischen Grüntee hat der chinesische ein helleres Grün und färbt in der Tasse eher gelb als grün.

Das japanische Hauptanbaugebiet befindet sich in der Provinz Shizuoka am Fuß des Mount Fuji, südwestlich von Tokio. Diese Provinz wurde insbesondere durch medizinische Berichte über die außergewöhnlich niedrige Magenkrebsrate der dort wohnenden Bevölkerung bekannt. Der japanische Wissenschaftler Oguni führt dies auf den hohen Grünteekonsum der Einwohner zurück. Ein besonders guter und deshalb auch teurer Grüntee - Gyokuro kostet pro Kilogramm bis zu 120 Euro - stammt aus Uji, in der Nähe von Kyoto und nördlich von Osaka. Sein tiefes Smaragdgrün verdankt er allerdings einem kleinen landwirtschaftlichen "Trick": Drei Wochen vor der Pflückung bedeckt man die Teesträucher mit Netzen und Schilfmatten, so dass sich noch mehr Blattgrün bilden kann. Insgesamt erzeugt Japan rund 90.000 Tonnen Grüntee im Jahr.

Das Geheimnis ewiger Jugend

Gerade dem grünen Tee werden zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Dies liegt sicher in der speziellen Methode der Verarbeitung. Im Unterschied zu Schwarztee wird grüner Tee nicht fermentiert, also keinem Oxydations- bzw. Gärungsvorgang unterzogen. Damit ist er im Geschmack etwas herber und hat mehr Gerbstoffe; die vielen Vitamine und Mineralstoffe bleiben aber vollständig enthalten. Nach dem Pflücken bringt man die Teeblätter zum Welken, damit sie weich und geschmeidig werden. Um eine Fermentation zu verhindern, wird das grüne Blatt anschließend gedämpft, danach mit der Hand gerollt, in Japan üblicherweise in Stäbchenform. Zum Abschluss wird der Tee mit heißer Luft getrocknet.

Im grünen Tee steckt eine ganze Menge Gesundheit für den menschlichen Organismus. Schon vor 2.500 Jahren schwärmte Chang-Chung-Ching, der "chinesische Hippokrates" vom Cha, dem grünen Chinatee: "Er berauscht nicht wie Reiswein, sondern schenkt dem Körper Wohlbefinden und dem Geist Harmonie." Der Arzt Chang Hua brachte die Wirkung auf den Punkt: "Wer grünen Tee trinkt, lebt länger, bleibt gesund und vital." Und als der niederländische Arzt Dr. Nicolas Direks den Tee kennen lernte, vermerkte er 1641: "Tee zu trinken, hilft den Leuten diverse Leiden zu vermeiden und ein langes Leben zu erreichen. Tee bringt Energie und hilft bei der Hirnarbeit."

Auch Ärzte geben grünes Licht

Die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft bestätigen diese Aussagen voll und ganz. Grüner Tee hat einen hohen Gehalt an Vitamin C. Weiters enthält er u.a. die Vitamine A, B12 und Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Kupfer, Nickel, Karotin, Fluor, Koffein und viele andere mehr. Die Heilwirkungen, die grünem Tee nachgesagt werden, dürften bei uns inzwischen auch bekannt sein. Zum Beispiel wird durch Tannin der Alterungsprozess der Zellen wesentlich verlangsamt. Bestimmte enthaltene Substanzen helfen, krebsauslösende Prozesse zu verhindern. Außerdem werden jene Stoffe vermindert, die hohen Blutdruck und Arterienverkalkung begünstigen. Und das im Tee enthaltene Fluor schützt obendrein vor Karies.

Mit anderen Worten: Mit jeder Tasse grünem Tee genießen Sie also eine Schale Gesundheit. Es geht daher einzig darum, Ihre ganz persönliche Lieblingssorte zu finden.

Kaufen, Lagern, Zubereiten – Die besten Tipps zum Grüntee-Genuss

- Kaufen Sie nur kleine Mengen. Lieber weniger, aber dafür öfter lautet die Devise.

- Das Aroma frischen grünen Tees erinnert an eben geerntetes Gras. Seine Farbe ist ein sattes Grün.

- Nicht in der Nähe von Gewürzen und Kräutern lagern.

- Den Tee am besten in einer schönen Teedose aufbewahren.

Die Zubereitungsart ist stark von der Teesorte abhängig. Die bei uns gebräuchlichste Methode ist folgende:
Wasser aufkochen, danach 2 Minuten abkühlen lassen. Mit diesem Wasser den grünen Tee in der Kanne 1 gehäuften Teelöffel pro Tasse aufgießen und 1 bis 1,5 Minuten ziehen lassen.

Erstklassige Tees wie z. B. Mu Dan-Teerosen oder Jasmin Dragon Phönix Pearl können sogar mehrere Male aufgegossen werden. Hierzu gehen Sie am besten wie folgt vor:

Nach der so genannten Kung-Fu-Methode - die Kunst zur Muße des Teegenießens - eine spezielle, chinesische Teekanne mit heißem Wasser vorwärmen. Das Wasser ausleeren und die Kanne zu 2/3 mit Grüntee füllen. Wasser aufkochen, ca. 2 Minuten abkühlen lassen und Grünteeblätter damit aufgießen. Kanne sofort wieder ausleeren. Erneut Wasser aufkochen, 2 Minuten abkühlen lassen und die Grünteeblätter abermals damit aufgießen. Nach ca. 30 Sekunden den Tee in kleine Schalen füllen. Dabei darauf achten, dass der ganze Tee ausgegossen wird, damit die Blätter nicht durch Wasserreste ausgelaugt werden. Dieser Vorgang kann bis zu 5 Mal wiederholt werden, wobei die Ziehzeiten kontinuierlich um 20 bis 30 Sekunden gesteigert werden.

Lesen Sie auch passende Artikel dazu im "Teeblatt online":
- "Grüntee-Spezialitäten - Tipps" in der Ausgabe Herbst 1998
- "Evergreen oder Newcomer" in der Ausgabe Frühjahr 2005
- "Black & White" in der Ausgabe Sommer 2006


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